Geschichte
Wie ich auf den mallorquinischen Hund kam
Im Jahr 1996 erfüllte ich mir einen lang gehegten Kindheitstraum und schaffte mir einen Hund an: Bailey, eine Kreuzung aus Deutschem Schäferhund und Labrador Retriever.


Schon nach den ersten Jahren des Zusammenlebens mit Hund (und eigentlich auch schon davor) war mir klar, dass ein Leben ohne Hund für mich nicht mehr in Frage kommt! EIN Hund zur Zeit beanspruchte mich allerdings ausreichend, so dass ich mir vornahm, den nächsten Hund erst etwa im Jahr 2006 anzuschaffen, wenn Bailey in einem Alter ist, in dem Schlafen und Ausruhen zur Lieblingsbeschäftigung geworden sind.


Dennoch begann ich sehr früh, mich nach Hunderassen oder Mischungen umzuschauen, die für mich als nächster Hund in Frage kämen. Dabei stieß ich im Jahr 2000 auf ein Foto in einem Rassehunde-Buch, das mein besonderes Interesse erweckte: Der abgebildete Hund sah aus wie Bailey! Es war ein Perro de Pastor Mallorquin! Ich las mir die Rassebeschreibung durch und auch hier passte alles! Jedenfalls fast alles: Eine Widerristhöhe bei Rüden (es sollte ein Rüde werden) bis 73 cm erschien mir doch etwas gewaltig… Perfekterweise sollte mein Traumhund 65 – 68 cm haben. Da aber sonst alles Gesehene und Gelesene zu passen schien, begann ich enthusiastisch, weitere Nachforschungen zur Rasse anzustellen.
Wie ich zu dem mallorquinischen Hund kam
Man kann es sich heute kaum noch vorstellen, aber im Jahr 2000 steckte das Internet in Privathaushalten noch in den Kinderschuhen und so gestaltete sich die Internet-Recherche als sehr mühselig. Zunächst ließen sich ein paar Basis-Informationen finden, aber schnell gerieten die Nachforschungen in’s Stocken, zu geringfügig waren die Angebote. Es waren keine Namen oder Adressen von Züchtern, Vereinen oder Pastor Mallorquin-Besitzern ausfindig zu machen…
Im Laufe der nächsten Jahre breitete sich das Internet immer weiter aus und ich schaute gelegentlich nach, ob sich das Ca de Bestiar-Informations-Angebot ausgeweitet hatte. Es fand sich hier und da eine neue Seite mit einer Rassebeschreibung, aber nach wie vor keine wertvollen Angaben, um in Kontakt mit Kennern der Rasse treten zu können…
Zu Beginn des Jahres 2005 (etwa 1,5 Jahre vor dem geplanten Welpen-Einzug), intensivierte ich meine Nachforschungen. Nun schaute ich wesentlich regelmäßiger und intensiver in das world wide web und ganz langsam gelang es mir, Puzzle-Stückchen zu sammeln und einige davon zusammenzubauen. Ich klammerte mich an jeden Strohhalm, verschickte mehr als 50 e-mails und Briefe, - die meisten davon nach Spanien - in der Hoffnung, einen Züchter zu finden… Die spärlichen Antworten (etwa fünf!) brachten aber leider auch nicht den gewünschten Erfolg…
Erst im Mai 2007, nach unendlich vielen Stunden am PC, fand ich das Foto eines Ca de Bestiar, das alles verändern sollte:
Das Bild zeigte die Hündin „Y-Foma de Ca’n Nyegos“ und führte mich auf die neu errichtete homepage eines Ca de Bestiar-Züchters in der spanischen Region Valencia!!! Und das Glück sollte nicht enden: Aktuell hatte er einen Wurf in Planung und ich bestellte meinen Welpen!!!
Am 09.August 2007 kam die e-mail mit der frohen Botschaft: Mein Ca de Bestiar hatte das Licht der Welt erblickt!!!

Es folgten vier Wochen voller Vorfreude und Planung. Die Welpen entwickelten sich gut und so konnte ich Anfang September meine Reise nach Spanien zur Abholung des Welpen buchen.
Um mehr über die Rasse zu erfahren und endlich auch einmal Hunde live zu erleben, plante ich eine acht-tätige Reise, die mich zunächst nach Mallorca und später dann nach Valencia führte.
Ich kratze meine spärlichen, im Laufe der jahrelangen Recherche angesammelten Kontakte zusammen und besuchte auf Mallorca den Züchter der Mutterhündin meines Welpen. Dort durfte ich u.A. auch die Großmutter meines Hundes kennen lernen. Des Weiteren besuchte ich den Vater meines Welpen, sowie einen weiteren Züchter.


In Valencia hatte sich „mein“ Züchter einen ganzen Tag Zeit für den weit gereisten Besuch aus Deutschland genommen! Ich wurde herzlich aufgenommen und auf dem Grundstück herumgeführt, konnte alle Hunde kennen lernen und mir viel, viel Zeit lassen, um meinen Rüden aus der 10-köpfigen Welpenschar auszusuchen.


Ich suchte mir den Rüden mit dem meisten Temperament und Selbstbewusstsein aus. Auch optisch stach er aus dem Rudel heraus: Waren seine Geschwister eher rund und pummelig (ähnlich Labrador-Welpen), so war Unái eher hochbeinig und schlank. Mir gefiel der sportliche Wirbelwind am besten!


Unái’s Welpen- und Junghundzeit
Am 44.September 2007 beginnt Unái’s erstes großes Abenteuer: In der Tragetasche fliegt er mit mir in der Flugzeugkabine von Valencia nach Hamburg.
Als er Bailey zum ersten Mal sieht, läuft er freudig zu ihm und sucht die Zitzen: „Mama??? - Neee, doch nicht…“




Genau wie in seinem Elternhaus in Spanien, präsentiert sich Unái-Welpe vom ersten Moment an auch in Deutschland eigenständig und selbstbewusst. Menschen begegnet er überschwänglich fröhlich, Hunden vorsichtig-dominant (niemals Unterwerfungsgesten). Tiefgaragen, LKWs, Bahnhöfe, Nichts macht im Angst.
Gewöhnungsbedürftig erscheint mir sein schon sehr gefestigter Dickkopf! Bereits im zarten Alter von wenigen Wochen, beschwert er sich lautstark (Schreien, Zappeln, Beißen) über ihm nicht genehme Vorfälle: Auf den Arm genommen zu werden, zum Ausruhen in einer Box/Kennel bleiben zu müssen, überhaupt jegliches Verhalten von Menschen oder Hunden, dass ihn nicht in den Mittelpunkt stellt und/oder seinen Bewegungsdrang einschränkt.
Von wegen, Welpen schlafen viel… Unái nutzt selbst einen großen Teil der ihm verordneten Zwangspausen noch dazu, um in seiner Box zu randalieren!


Mit viel Geduld und ruhiger Erziehung ohne große Zwänge entwickelt sich Unái zu einem energiegeladenen Junghund. Der erwartete pubertäre Aufstand bleibt aus oder verläuft so ruhig, dass ich ihn nicht bemerke.
Bereits im Alter von 10 Monaten ist der rassetypische Territorialtrieb deutlich zu spüren: Im Umkreis von etwa 300 m um unser Haus werden alle Hunde zu Feinden. Menschen werden nun vereinzelt auch angeknurrt, aber nur in der Dunkelheit und nur, wenn sie sich auffällig benehmen (betrunkene, ängstliche oder aggressive Menschen).


HIER: Unái’s körperliche Entwicklung (PDF-Datei)
Der junge Unái
Mit etwa 15 Monaten beginnt Unái, sich „erwachsener“ zu verhalten. Seine Konzentrationsfähigkeit nimmt deutlich zu. Seine nach wie vor unbändige Freude über ihm freundlich gesonnene Menschen reduziert sich langsam von erregtem Springen und Schreien auf fröhliches Wedeln und „Töne von sich geben“.
Zwischen dem 18. und 24. Monat wird der Wirbelwind etwas ruhiger! Vereinzelte Tage mit etwas weniger Aktion werden von ihm nun toleriert: Hat er an solchen Tagen vorher im Haus keine ruhige Minute gefunden und jede Gelegenheit genutzt, um Blödsinn zu machen, so benimmt er sich nun deutlich disziplinierter und legt sich meistens zum Schlafen auf seinen Platz.
Vor dem 18.Lebensmonat war sein Schlaf- und Bewegungsbedürfnis für mich „ein Buch mit sieben Siegeln“. Wann er abends müde und zufrieden war, schien nicht die Art oder Länge der Beschäftigung zu bestimmen, sondern einzig und allein Unái’s Dickkopf! Es gab Tage mit reichlich Spiel, Spaß und Auslauf, an denen er abends zu sagen schien: „Und wann geht’s endlich los?!“. Dann wieder Tage mit „nur“ normalem Spaziergang, an denen er später zufrieden eingerollt schlummerte.




Seine Territorial-Aggression breitet sich in diesem Alter auch auf Menschen aus. Bekannte oder uns freundlich Ansprechende werden nach wie vor sehr fröhlich begrüßt. Unbeteiligte Passanten werden ignoriert. Menschen jedoch, die sich in unmittelbarer Nähe unseres Hauseingangs befinden, werden nun lautstark angeknurrt. Ebenso manche Passanten im größeren Umfeld unseres Hauses, die Unái irgendwie seltsam erscheinen. Das alles nun auch bei Tageslicht!
Hunde im Revier bleiben jedoch „Staatsfeind Nr.1“! Es reicht, dass die Duftspur eines Hundes noch in der Luft liegt, um Unái zu drohendem Knurren und Imponiergang zu animieren!
Auch im Haus wird nun gewarnt, wenn ein Hund draußen am Haus vorbei geht.
Es sei noch erwähnt, dass Unái freilaufend außerhalb seines Reviers bis hierher noch keine negative Konfrontation mit anderen Hunden hatte!
Wie schon als Welpe, geht er gerne mit äußerst aufrechtem Gang an Hunden, die kein Interesse an einer Begegnung zeigen, vorbei. Ist vom Gegenüber eine Begegnung erwünscht, so nähert auch er sich dem anderen Hund. Sein Imponiergehabe scheint dabei so zu beeindrucken, dass die meisten Hunde ihn mit Demutsgesten begrüßen. Ist es eine spielbereite Hündin, wird getobt, ist es ein Rüde, verlässt Unái nach einigen weiteren Runden Zurschaustellung seiner Größe, den vermeintlichen Rivalen.
Anders sieht es aus, wenn ihm große Hundegruppen oder eindeutig überlegene Rüden begegnen. In diesem Fall scheint ihm die Situation nicht geheuer und er versucht, sich „unauffällig aus der Affäre zu ziehen“: Fell ist auf dem gesamten Rücken gesträubt, Rute und Ohren hängen herab. Der Gang ist steif und hochbeinig, so als wolle er sagen: „Lasst mich einfach nur vorbei! Ich tue keinem etwas.“
Unái ist nun zwei Jahre alt.
Dieser Bericht wir fortgesetzt!